Im Englischen gibt es so wunderbare Begriffe für bestimmte Film-Genres! „Coming-of-age“ ist eine Bezeichnung, die auf Deutsch nur unzulänglich mit „Erwachsen werden“ oder „Adoleszenz“ umschrieben werden kann.

Das Erwachsenwerden, also der Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter wurde schon immer gerne thematisiert - kaum ein Zeitalter, in dem es nicht eine Auseinandersetzung mit der aufmüpfigen Jugend gab. Das war 1920 nicht anders als 1955 oder in den 1970er-Jahren.
In manchen Filmen zieht sich dieser Prozess des Erwachsenwerdens der Protagonisten bis ins höhere Alter hinein. Ich habe dieses Genre hier deshalb grosszügig ausgelegt. Das heisst, Sie finden auch den einen oder anderen Lieblingsfilm, in dem keine Teenager in Erscheinung treten.

Meine Lieblings-Coming-of-age-Filme finden Sie in Folge in chronologischer Aufführung…

Ghost World

2001 (Ghost World)

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Es gibt ja unzählige Coming-of-Age-Filme, dieser ist einer meiner liebsten. Zugegeben, der Humor ist ziemlich schräg, es handelt sich hier auch um eine Comic-Verfilmung. Die Hauptfiguren sind durchaus nicht durchwegs sympathisch oder gar liebenswert, aber genau das macht für mich den Reiz dieser Geschichte aus. Skurrile Figuren in einem schwierigen Lebensabschnitt und zuweilen beinahe aussichtslosem Handlungsverlauf. So was kriegt man normalerweise in dieser Qualität nur noch von den Coen-Brüdern geboten. Zudem ist es schauspielerisch genial umgesetzt; Die spröde Rebecca und die völlig orientierungslose Enid sind wunderbar verkörpert und werden nur noch von der noch grandioseren Darbietung von Seymour (Steve Buscemi) überboten. Die Atmosphäre ist stimmig und der sehr ruhige gemächliche Handlungsverlauf lässt genau die für den Streifen so einzigartige Stimmung aufkommen. Für mich ein kleines Meisterwerk!

Die beiden Freundinnen Enid (Thora Birch) und Rebecca (Scarlet Johansson) sind Aussenseiter in ihrer High School. Sie ziehen zusammen durch die Strassen, sind desillusionierte, besserwisserische Teenies, die keinen Plan haben, diesen aber gezielt verfolgen.
Während Rebecca noch einigermassen strukturiert ist und einen Weg zu finden versucht, trifft Enid auf Seymour (Steve Buscemi), mit dem sie sich anfreundet und damit nicht nur sein Leben komplett auf den Kopf stellt, sondern auch ihr eigenes…

Originaltitel: Ghost World

Produktionsland: USA / Grossbritannien / Deutschland
Produktionsfirma: United Artists / Granada Film
Produzenten: Lianne Halfon / Russell Smith / John Malkovich

Jahr: 2001
Länge: 111 Minuten

Sub-Genre: Tragikkomödie / Coming-of-Age / Comic-Verfilmung

Regie: Terry Zwigoff
Drehbuch: Daniel Clowes / Terry Zwigoff
Musik: David Kitay

Kamera: Affonso Beato
Schnitt: Carole Kravetz / Michael R. Miller

Besetzung:

Thora Birch…. Enid
Scarlett Johansson…. Rebecca
Steve Buscemi…. Seymour
Brad Renfro…. Josh… u.a.

Drehorte: Los Angeles, USA / Santa Clarita, USA

Aspect Ratio: 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt)
Sound Mix: DTS Dolby Digital

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© Ascot Elite Home Entertainment


BILD ✪✪✪✪✪

Das Bildseitenformat liegt in 1.85:1 (13:7 US WideScreen) vor.

Die HD-Bildumsetzung ist durchaus ansprechend, vor allem bei Close-Ups ist eine markante Steigerung zur DVD-Version erkennbar. Auch die Farben wirken frisch und natürlich. Bildfehler oder Verschmutzungen sind mir keine aufgefallen.
Einzig bei dunklen Szenen hat der Streifen etwas zu kämpfen mit den Kontrasten, und es tritt auch ein leichtes Bildrauschen auf.
Alles in allem eine sehr ansprechende Bildumsetzung.

TON ✪✪✪✪✪

Das Tonformat liegt in DTS-HD Master 5.1 vor.

Auch die Tonumsetzung ist in Ordnung. Allerdings handelt es sich um einen sehr ruhigen Film, der kaum grössere Ansprüche an eine Surroundanlage stellt. Der Subwoofer wird nur bei Musikeinlagen in Anspruch genommen, dann aber richtig gut.
Die Räumlichkeit ist trotz 5.1-Umsetzung eher eingeschränkt. Die Dialoge sind dennoch hervorragend zu verstehen und die Tonbalance ist ausgewogen und stimmig.

FAZIT

Technisch werden keine Referenzwerte erreicht. Es handelt sich jedoch um eine gute, solide gemachte HD-Umsetzung!

Juno

2007 (Juno)

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Man hätte aus diesem Stoff einen unsagbar moralindurchtränkten, bierernsten und dramatisch durchrüttelnden Film machen können, zum Glück ist das nicht geschehen.
Statt dessen hat man mit viel Ironie, hervorragenden Dialogen und einer unglaublich starken Hauptrolle eine wirklich gelungene Balance geschaffen. Der Film wird nie kitschig, nie depressiv, aber auch nicht unrealistisch. Die humorvolle Wärme, die stetig spürbar ist, führt zu einer äusserst gelungenen Atmosphäre.

Ellen Page spielt unglaublich stark und verkörpert die pfiffige aber auch unsichere Juno genial. Die Oscarauszeichnung für das Drehbuch ist zudem mehr als verdient.

Gewürzt wird das Ganze noch durch eine sehr passende musikalische Unterstützung. Den Soundtrack kriege ich jedes Mal, wenn ich den Film sehe, tagelang nicht mehr aus den Gehörgängen…

Die 16-jährige Juno MacGuff ist schwanger. Nun ist guter Rat teuer. Sie versucht erst alles zu verheimlichen und sagt ausser ihrem Freund Paulie und ihrer besten Freundin Leah niemandem etwas. Der Versuch einer heimlichen Abtreibung in einer Klink wird von Juno aus Gewissensgründen im letzten Moment abgebrochen.
Die Idee mit einem Zeitungsinserat, die perfekten Adoptiveltern zu finden, führen sie zum jungen Ehepaar Loring. Ihre Eltern, die mittlerweile alles wissen, unterstützen sie zwar in ihrem Vorhaben, es türmen sich aber neue Probleme auf, die Juno auf eine harte Probe stellen…

Originaltitel: Juno

Produktionsland: USA
Produktionsfirma: Fox Searchlight Pictures / Mandate Picture
Produzenten: Lianne Halfon / John Malkovich / Mason Novick / Russel Smith

Jahr: 2007

Länge: 96 Minuten

Sub-Genre: Tragikkomödie / Coming-of-Age

Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Diablo Cody
Musik: Mateo Messina

Kamera: Eric Steelberg
Schnitt: Dana E. Glauberman

Besetzung:

Ellen Page…. Juno MacGuff
Michael Cera…. Paulie Bleeker
Jennifer Garner…. Vanessa Loring
Jason Bateman…. Mark Loring
J.K. Simmons…. Mac MacGuff
Olivia Thirlby…. Leah… u.a.

Drehorte:

Vancouver, Kanada
White Rock, Kanada
Port Coquitlam, Kanada

Aspect Ratio: 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt)

Sound Mix: DTS Dolby Digital

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BILD ✪✪✪✪✪✪

Das Bildseitenverhältnis liegt in 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt) vor.
Die Bildqualität bewegt sich im Mittelmass. Sowohl bei der Bildschärfe wie auch beim Schwarzwert oder den Kontrasten ist nur eine geringfügige Verbesserung zur DVD-Ausgabe festzustellen.
Verschmutzungen oder Bildfehler sind mir keine aufgefallen.
Bildtechnisch wäre deutlich mehr möglich gewesen…

TON ✪✪✪✪✪✪

Das Tonformat liegt in DTS 5.1 vor.
Der Film ist sehr dialoglastig und so erstaunt es nicht sonderlich, dass die Tonumsetzung vor allem über die Frontkanäle erfolgt. Die Surroundkanäle werden nur sehr dezent eingesetzt. Eine Räumlichkeit kommt deshalb kaum auf. Die Tonbalance ist gut ausgefallen, und auch die Dialogverständlichkeit ist jederzeit gewährleistet.
Leider gibt es bei der deutschen Tonspur keinen HD-Ton…

FAZIT

Sicher eine Blu-ray-Umsetzung, die vor allem beim Bild hinter den technischen Möglichkeiten zurückbleibt. Wer bereits die DVD besitzt, benötigt diese Blu-ray nicht zwingend…

Das Mädchen Wadjda

2012 (Wadjda /وجدة)

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Man schaut sich diesen kleinen wunderbaren Film mit sehr gemischten Gefühlen an. Zum einen ist man fasziniert von dieser fremden, irgendwie surreal wirkenden, Welt und auf der anderen Seite auch absolut schockiert über das menschenverachtende und zutiefst archaische Gesellschaftssystem, in dem der weibliche Teil der saudischen Bevölkerung gefangen gehalten wird. Mit einfachen Bildern und sehr ruhiger Erzählweise wird eine Geschichte vorgetragen, die nur auf den ersten Blick harmlos und unscheinbar wirkt. Beim genaueren Hinsehen und Hinhören, findet man ein kleines mutiges Mädchen, das sich nicht unterdrücken lässt und die starren Verhaltensregeln zu hinterfragen und blosszulegen vermag. Die Umstände, während der Dreharbeiten in Saudi Arabien, waren alles andere als ideal. Umso erstaunlicher ist, was für ein intensiver und harmonischer Film entstanden ist. Eine kleine Perle!

Die 11-jährige Wadjda wächst in Riad auf. Obwohl ihr zu Hause einige Freiheiten zugestanden werden, leidet sie unter der stetigen Unterdrückung durch die sehr strengen islamischen Vorschriften in der Schule.
Ihr grösster Traum wäre es, ein Fahrrad zu besitzen, aber das ist nicht so einfach, da es in Saudi-Arabien für Mädchen als unschicklich gilt, Fahrrad zu fahren.
Von ihrem Vater ist keine Hilfe zu erwarten, und zu ihrer Enttäuschung lehnt auch die Mutter dieses Unterfangen ab. Wadjda versucht sich selber zu helfen und heckt einen Plan aus, um an das Geld für ein Fahrrad zu kommen.

Originaltitel: Wadjda ( وجدة )

Produktionsland: Saudi-Arabien / Deutschland
Produktionsfirma: Razor Film u.a.
Produzenten: Gerhard Meixner / Roman Paul

Jahr: 2012
Länge: 98 Minuten

Sub-Genre: Gesellschaftsdrama / Coming-Of-Age

Regie: Haifaa al-Mansour
Drehbuch: Haifaa al-Mansour
Musik: Max Richter

Kamera: Lutz Reitemeier
Schnitt: Andreas Wodraschke

Besetzung:

Reem Abdullah …. Mutter
Waad Mohammed …. Wadjda
Abdullrahman Al Gohani …. Abdullah
Ahd …. Ms. Hussa
Sultan Al Assaf …. Vater

Drehorte: Riyadh, Saudi Arabien

Aspect Ratio: 1.78:1

Sound Mix: Dolby Digital

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© Koch Media Home Entertainment 2014


BILD ✪✪✪✪✪✪

Das Bildseitenformat liegt in 1.85:1 (13:7 US Wide-Screen) vor.
Wir haben es hier mit einer ausserordentlich guten HD-Umsetzung zu tun. Der Schärfewert ist durch den ganzen Film hinweg ausgezeichnet - und dies sowohl bei Close-Ups wie auch Totalen. Bei Nahaufnahmen ist jedes Detail zu erkennen.
Die Farbgebung ist sehr natürlich und gut ausgefallen. Die Kontraste und der Schwarzwert sind ebenfalls sehr ansprechend umgesetzt worden. Wer ein Haar in der Suppe finden will, könnte die zum Teil überstrahlten Bilder erwähnen, die zuweilen bei Aussenaufnahmen zu sehen sind - das ist aber meckern auf allerhöchstem Niveau...
Grundsätzlich gilt; eine bildtechnisch hervorragende Blu-ray!

TON ✪✪✪✪✪

Das Tonformat liegt in DTS-HD Master 5.1 vor.
Es handelt sich hier um einen extrem ruhigen und äusserst dialoglastigen Streifen, der nur schon aus diesem Grund eine sehr eingeschränkte Räumlichkeit aufweist.
Die Dialoge sind jederzeit bestens zu verstehen, und auch alle anderen Geräuschelemente werden gut eingebaut.
Die Tonbalance ist ausgezeichnet.
Alles in allem eine sehr gute, wenn auch dezente Tonumsetzung.

FAZIT

Eine grossartige HD-Umsetzung, die vor allem durch die Detailschärfe des Bildes zu überzeugen vermag.

Ganz weit Hinten

2013 (The Way, Way Back)

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Erwartet hatte ich ein unterhaltsames, einfach gestricktes Coming-of-Age-Filmchen. Geboten wurde mir eine sehr kurzweilige und vielschichtige Tragikkomödie, die sich weit von den 08/15-Coming-of-Age-Filmen abhebt.
Der etwas melancholische Charme dieser Sommergeschichte harmoniert hervorragend mit der schüchternen, unbeholfen wirkenden Hauptfigur und lässt eine ausgezeichnete Atmosphäre entstehen. Dabei wird von Beginn weg kräftig mit Klischees gespielt, ohne ihnen aber jemals zum Opfer zu fallen.
Die sehr ausgewogene Mischung aus Drama und Komödie machen den Film zu einem richtigen Wohlfühlfilm. Dabei ist er zu keiner Zeit langweilig. Die Dialoge sind stimmig und heben sich angenehm ab vom üblichen Hollywood-Kitsch, den man üblicherweise in solchen Filmen zu hören bekommt.
Die Story an sich ist glaubhaft und sehr gut in Szene gesetzt.
Kurz, wir haben es hier mit einem dieser Filme zu tun, bei denen man es sehr bereut, wenn sie zu Ende sind – ich hätte den Protagonisten noch lange zusehen können…

Fazit: Ein Coming-of-Age-Film mit Tiefgang und Witz, der sich angenehm von der Masse abhebt!

Der Schüchterne und introvertierte 14-jährige Duncan verbringt die Sommerferien mit seiner Mutter, ihrem neuen Freund und dessen Tochter in einem Strandhaus auf Cape Cod.
Da er Trent, den neuen Freund seiner Mutter, überhaupt nicht leiden kann und dessen Tochter Steph ihn wie Luft behandelt, versucht er der gespielten Familienidylle zu entfliehen. Er heuert im nahe gelegenen Water-Wizz-Wasserpark an und freundet sich mit dem Manager Owen an.
Hier trifft Duncan auf eine ganz neue Welt. Er wird respektiert und so genommen, wie er ist. Sein wachsendes Selbstvertrauen bringt ihm zuhause aber nur noch mehr Probleme mit Trent ein. Allerdings beginnt sich die hübsche Susanna, die im benachbarten Strandhaus mit ihrer Mutter wohnt, für Duncan zu interessieren, und es sieht ganz so aus, als ob dieser Sommer für Duncan doch noch besser werden würde, als befürchtet...

Originaltitel: The Way, Way Back

Produktionsland: USA
Produktionsfirma: Sycamore Pictures / The Walsh Company...u.a.
Produzenten: Tom Rice / Kevin J. Walsh

Jahr: 2013
Länge: 104 Minuten

Genre: Drama / Tragikkomödie

Regie: Nat Faxon / Jim Rash
Drehbuch: Nat Faxon / Jim Rash
Musik: Rob Simonsen

Kamera: John Bailey
Schnitt: Tatiana S. Riegel

Besetzung:

Liam James …. Duncan
Steve Carell …. Trent
Toni Collette …. Pam
Allison Janney …. Betty
Sam Rockwell …. Owen...u.a.

Drehorte:

- Marshfield, Massachusetts, USA
- Duxbury, Massachusetts, USA
- Wareham, Massachusetts, USA
- Onset, Massachusetts, USA

Aspect Ratio: 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt)

Sound Mix: Dolby Digital

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© 2014 Twentieth Century Fox Home Entertainment


BILD ✪✪✪✪✪

Das Bildseitenverhältnis liegt in 1.85:1 (13:7 US Wide-Screen) vor.

Es wird eine ansprechende Grundschärfe geboten, ohne jedoch an Referenzwerte heranzukommen. Die Farben wirken trotz Filter recht natürlich. Der Schwarzwert ist gut, wenn auch nicht perfekt. In ganz wenigen Szenen gibt es leichtes Bildrauschen zu sehen, das mich aber nicht weiter gestört hat.
Eine gute HD-Umsetzung, die, für eine aktuelle Produktion, nicht ganz auf der Höhe der Zeit mitspielen kann.

TON ✪✪✪✪✪

Das Tonformat liegt in Deutsch DTS 5.1 vor.

Leider gibt es keinen HD-Ton auf dieser Blu-ray, was vor allem bei der sehr zurückhaltenden Dynamik auch deutlich zu hören ist. Ebenso zurückhaltend werden die Surroundkanäle eingesetzt. Es entsteht leider zu keiner Zeit eine Räumlichkeit. Die Dialoge sind jedoch jederzeit bestens zu verstehen. Der Soundtrack besteht grösstenteils aus Independend-Musik und hat mir ausgezeichnet gefallen.
Die Tonumsetzung liegt auf DVD-Niveau.

FAZIT

Eine ansprechende HD-Umsetzung, die lediglich unter der etwas schlechteren Tonumsetzung leidet...

Virgin Mountain

2015 (Fúsi)

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Was der Regisseur Dagur Kari und sein Hauptdarsteller Gunnar Jonsson in diesem kleinen Film abliefern, ist ganz grosses Kino.

Die Story ist anrührend, liebenswert, etwas melancholisch und wirkt derart real und glaubhaft, dass der Zuschauer mitten in Fúsis Welt katapultiert wird. Dabei ist Dagur Kari das Kunststück gelungen, zu keiner Zeit kitschig zu werden oder sich in Klischees zu verheddern.

„Virgin Mountain“ ist äusserst bedächtig inszeniert und passt damit auch perfekt zur korpulenten Erscheinung des Hauptdarstellers. Dagur Kari schrieb diese Figur Gunnar Jonsson auf den Leib, was in jeder Filmminute eindrücklich zu bemerken ist. Die Harmonie zwischen Schauspieler, Szene und Kamera ist atemberaubend - so etwas wie Langeweile kommt während den beinahe 100 Minuten zu keiner Zeit auf. „Virgin Mountain“ ist dabei kein reines Drama, sondern punktet mit einem sehr behutsamen, leicht lakonischen Humor, der perfekt zur Figur und damit zur Geschichte passt. Die Balance zwischen Tragik und Komik ist derart gut abgestimmt, dass man als Zuseher kaum zu lachen oder zu weinen wagt und daher einfach mit offenem Mund die Ereignisse bestaunt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eine Coming-of-Age-Geschichte eines 43-Jährigen sieht man nicht alle Tage - eine so gut umgesetzte noch seltener. Für mich die Filmentdeckung des Jahres!

Eigentlich ist der 43-jährige Fúsi ganz zufrieden mit seinem Leben. In beinahe kindlicher Einfalt geht er seinem Job im Flughafen als Gepäckfahrer nach und lässt sich durch das Mobbing seiner Arbeitskollegen, die sich über sein Übergewicht und seine Behäbigkeit lustig machen, nicht aus der Ruhe bringen. Fúsi lebt immer noch bei seiner Mutter, sein Dasein ist geprägt durch eintönige Routine. Mit seinem einzigen Freund stellt er in seiner Freizeit historische Schlachten mit Panzermodellen und Figuren nach. Einmal in der Woche begibt sich Fúsi in ein chinesisches Restaurant, in dem er immer dasselbe Menü bestellt.
Die Monotonie wird jäh unterbrochen, als zwei weibliche Wesen in Fúsis Leben treten. Zum einen die etwa 7-jährige Tochter des neuen Nachbarn, die niemanden kennt und sich den gutmütigen Fúsi als Spielkameraden aussucht und zum anderen Sjöfn, die er in einem Tanzkurs, den er gar nicht besuchen will, kennenlernt.
Beide Bekanntschaften stellen Fúsis kleine Welt gehörig auf den Kopf und führen dazu, dass er über sich hinaus wachsen muss. Nun ist es an Fúsi, zu zeigen, was in ihm steckt…

Originaltitel: Fúsi

Produktionsland: Island / Dänemark
Produktionsfirma: Blueeyes Productions / Nimbus Film
Produzenten: Baltasar Kormákur / Agnes Johansen

Jahr: 2015
Länge: 97 Minuten

Sub-Genre: Tragikkomödie

Regie: Dagur Kári
Drehbuch: Dagur Kári
Musik: Karsten Fundal

Kamera: Rasmus Videbæk
Schnitt: Oliver Bugge Coutté / Andri Steinn

Besetzung:

  • Gunnar Jónsson …. Fúsi
  • Ilmur Kristjánsdóttir …. Sjöfn
  • Margrét Helga Jóhannsdóttir …. Fjola
  • Sigurjón Kjartansson …. Mordur
  • Franziska Una Dagsdóttir … Hera u.v.m

Drehort: Island

Aspect Ratio: 2.35:1 (21:9 – Neues CinemaScope-Format)

Sound Mix: DTS-HD

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© Alamode Filmdistribution


BILD ✪✪✪✪✪

Das Bildseitenformat liegt in 2.35:1 (21:9 Neues CinemaScope-Format) vor.
Die Bildschärfe ist grundsätzlich sehr gut ausgefallen. Vor allem bei Nahaufnahmen ist eine grosse Detailschärfe auszumachen. Bei Totalen wird das Bild etwas weicher. Es ist über den ganzen Film hinweg ein leichtes aber nicht störendes Bildrauschen festzustellen. Die Farben wirken etwas blass. Der Schwarzwert bewegt sich im oberen Mittelmass.

TON ✪✪✪✪✪

Das Tonformat liegt in DTS-HD Master 5.1 vor.
Wir haben es hier mit einem äusserst ruhigen und dialoglastigen Werk zu tun, das tontechnisch kaum Ansprüche stellt. Die Dynamik wird ebenso wenig gefordert wie die Surroundfähigkeit. Die Dialoge sind sehr gut zu verstehen. Die ganze Tonabmischung ist ausgesprochen frontlastig ausgefallen.

FAZIT

Solide Umsetzung, sowohl beim Bild, wie beim Ton. Referenzwerte werden jedoch keine erreicht!

London Town

2016 (London Town)

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Dieser wunderbare Streifen wird allgemein als Musikfilm vermarktet. Wir haben es hier jedoch tatsächlich mit einem astreinen Coming-of-Age-Film zu tun. Natürlich spielt die Musik im Zusammenhang mit der Kultband «The Clash» eine wichtige Rolle, dient jedoch mehr als Kulisse für eine sehr gut inszenierte und anrührende Entwicklungsgeschichte eines 14-Jährigen, welcher dank der Punkmusik eine neue Welt für sich entdeckt und dadurch zu sich selbst findet.
So banal dies in einer Beschreibung auch klingen mag, umgesetzt ist die Geschichte mit viel Gespür fürs Detail und Einfühlungsvermögen. Wobei die unaufgeregte Inszenierung durch Derrick Borte ganz wesentlich dazu beiträgt, der Geschichte die nötige Glaubhaftigkeit zu vermitteln.

Ebenso eindrücklich wie die Inszenierung ist die schauspielerische Umsetzung durch Daniel Huttlestone, welcher die Hauptfigur Shay Baker sehr authentisch zum Leben erweckt.
Obwohl der Film mit einem bombastischen Soundtrack aufwartet – allen voran natürlich mit vielen Songs von «The Clash», sowie Rock- und Reggae-Musik – rückt die Musik nie in den Vordergrund, sondern untermalt gekonnt die Handlung.

Alles in allem ein hervorragender Coming-of-Age-Film, der wesentlich mehr zu bieten hat, als dies auf den ersten Blick scheinen mag. Ein Reise zurück in die 70er-Jahre – eine Zeit voller sozialer Missstände und Aufruhr, Punkmusik und Aufbruchstimmung. Eine Milieustudie der englischen Unterschicht zu Beginn der Thatcher-Ära…

London in den 1970er-Jahren: Der 14-jährige Shay Baker steht vor einer echten Bewährungsprobe. Nachdem die Mutter die Familie verlassen hat und der Vater mit Shay und dessen kleinen Schwester allein zurückbleibt, muss Shay schnell erwachsen werden. Als der Vater verunfallt und für mehrere Wochen im Spital ist, wird Shay über Nacht nicht nur für sich und seine kleine Schwester verantwortlich, sondern auch für Vaters Klaviergeschäft und dessen Zweitjob als Taxifahrer…

Als Shay auf die Punkerin Vivian trifft und durch sie auf die Band «The Clash» aufmerksam wird, verliebt er sich auf der Stelle in die Band und Vivian – zwei Ereignisse, die sein Leben in eine völlig neue Bahn lenken sollten…

Originaltitel: London Town

Produktionsland: USA / Grossbritannien
Produktionsfirma: Dutch Tilt Film / Killer Films u.a.
Produzent: Tom Butterfield / Sofia Sondervan / Christine Vachon

Jahr: 2016

Länge:
92 Minuten

Genre: Drama / Coming-of-Age-Film

Regie: Derrick Borte
Drehbuch: Matt Brown
Musik: Bryan Senti

Kamera: Hubert Taczanowski
Schnitt: Brian Ufberg

Hauptdarsteller:

Daniel Huttlestone …. Shay Baker
Jonathan Rhys Meyers …. Joe Strummer
Dougray Scott …. Nick Baker
Anya McKenna-Bruce …. Alice Baker
Nell Williams …. Vivian Daniels…u.a.

Drehorte:

- Wilmington, North Carolina, USA
- London, England

Aspect Ratio: 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt)

Sound Mix: Dolby Digital

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© 2019 Studio Hamburg


BILD ✪✪✪✪

Das Bildseitenverhältnis liegt in 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt) vor.

Die Bildumsetzung dieser Blu-ray kann zwar nicht mit Spitzenwerten aufwarten, bewegt sich aber konstant im guten Mittelfeld. Vereinzelt ist leichtes Bildrauschen auszumachen, und in dunklen Szenen werden Inhalte etwas verschluckt.
Die Farben wirken natürlich. Der Schwarzwert ist gut ausgefallen. Der Bildumsetzung wurde absichtlich ein 70er-Look verpasst, was stimmig wirkt.

TON ✪✪✪✪✪

Das Tonformat liegt in Deutsch Dolby Digital 5.1 vor.

Bei einem Film, in dem die Musik eine so zentrale Rolle einnimmt, wäre es wünschenswert gewesen, diese auch gekonnt zu inszenieren. Leider findet die Tonumsetzung aber zu 90% vor allem über die Frontlautsprecher statt. Zudem ist die Dynamik äusserst eingeschränkt. Die Musik kommt so kaum zur Geltung und wirkt meist recht emotionslos und platt.
Die Dialoge sind jederzeit bestens zu verstehen, und die Tonbalance ist ausgewogen ausgefallen.

FAZIT

Die Blu-ray-Umsetzung ist beim Bild gut ausgefallen, kann aber bei der Tonumsetzung nicht überzeugen.

Lady Bird

2017 (Lady Bird)

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Spätestens seit dem wunderbaren Film «Brooklyn» ist klar, dass Saoirse Ronan eine ganz aussergewöhnliche junge Schauspielerin ist. Und diese Feststellung wird nun in «Lady Bird» erneut eindrucksvoll bestätigt. Wie Saoirse Ronan die, mit sich selbst und der Welt hadernde, Lady Bird verkörpert, ist Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Ihr ebenso interessanter Gegenpart, die Mutter, wird von Laurie Metcalf gespielt, welche den Älteren unter uns als Schwester der Titelfigur in der TV-Serie «Roseanne» und den Jüngeren als Sheldons Mutter in der TV-Serie «The Big Bang Theorie» bekannt sein dürfte. Die beiden harmonieren hervorragend zusammen und spielen den Mutter-Tochter-Konflikt derart nuanciert, wie ich es selten gesehen habe.

Die Story an sich erfindet das Genre des Coming-of-Age-Filmes nicht neu. Die bekannten Konfliktfelder tun sich auf: Streit mit der besten Freundin, eine Beziehung, die in die Brüche geht und eine orientierungslose Halbwüchsige, die sich und ihre Umgebung beinahe in den Wahnsinn treibt. Durch die hervorragende Performance der beiden Hauptakteurinnen tritt die Handlung beinahe in den Hintergrund. Dieser Umstand ist nicht zuletzt auch der dritten Frau im Bunde geschuldet: Als Schauspielerin mit ausgezeichnetem Gespür fürs richtige Timing, hat Regisseurin Greta Gerwig mit «Lady Bird» ihr eindrückliches Regiedebut geliefert. So ganz nebenbei hat sie ihrer eigenen Heimatstadt Sacramento ein kleines Denkmal gesetzt.

Lange Rede kurzer Sinn: Mit «Lady Bird» ist ein hervorragend inszenierter und eindrücklich gespielter Coming-of-Age-Film entstanden, den ich Fans dieses Genres nur wärmsten weiterempfehlen kann!

Christine McPherson steht vor dem letzten Jahr an der katholischen Highschool. Sie hat sich selber den Namen Lady Bird gegeben und besteht darauf, von allen so genannt zu werden.
Lady Birds Zukunftspläne sind diffus. Alles was sie sicher weiss, ist, dass sie ihrer öden Heimatstadt Sacramento so schnell wie möglich den Rücken kehren will. Lady Birds anarchistische Weltsicht prallt in regelmässigen Abständen auf die Ansichten ihrer ernüchterten Mutter, welche für die flatterhafte Unstetigkeit ihrer Tochter kein Verständnis aufbringt, was wiederum zu Streitereien führt.

Als Lady Birds Vater arbeitslos wird, ist aus finanziellen Gründen ihre Zukunft an einem College gefährdet. Sie findet in Danny einen Freund, verliert aber gleichzeitig beinahe ihre beste Freundin und überwirft sich schliesslich, wegen der richtigen College-Wahl, endgültig mit ihrer Mutter.
Kein Zweifel, Lady Birds letztes Highschool-Jahr wird sie prägen und zeigt einmal mehr eindrücklich, dass es überhaupt nicht einfach ist, erwachsen zu werden…

Originaltitel: Lady Bird

Produktionsland: USA
Produktionsfirma: IAC Films / Scott Rudin Productions / Entertainment 360
Produzenten: Eli Bush / Evelyn O'Neill / Scott Rudin

Jahr: 2017
Länge: 95 Minuten

Genre: Coming-of-Age / Drama / Tragikkomödie

Regie: Greta Gerwig
Drehbuch: Greta Gerwig
Musik: Jon Brion

Kamera: Sam Levy
Schnitt: Nick Houy

Hauptdarsteller:

Saoirse Ronan …. Christine „Lady Bird“
Laurie Metcalf …. Marion McPherson (Mutter)
Tracy Letts …. Larry McPherson (Vater)
Lucas Hedges …. Danny O'Neill
Timothée Chalamet …. Kyle Scheible...

Drehorte:

  • Sacramento, Kalifornien, USA
  • Pasadena, Kalifornien, USA
  • Los Angeles, Kalifornien, USA
  • Van Nuys, Kalifornien, USA
  • Sierra Madre, Kalifornien, USA
  • New York City, New York, USA

Aspect Ratio: 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt)

Sound Mix: Dolby Digital

Image

© 2018 Universal Pictures Home Entertainment


BILD ✪✪✪✪✪

Das Bildseitenverhältnis liegt in 1.85:1 (13:7 – US und UK WideScreen Kino-Format. Ursprünglich von Universal 1953 eingeführt) vor.

Obwohl der Film digital gedreht wurde, sieht das Bild wie in einem Film aus den 70er-Jahren aus. Es gibt konstant (künstlich eingefügtes) Filmkorn zu sehen – dessen tieferer Sinn sich mir aber nicht erschlossen hat, da wir es hier ja mit einem Gegenwartsfilm zu tun haben. Ebenso verständnislos stehe ich der starken Verfremdung durch Gelb- und Grünfilter gegenüber, welche der Detailgenauigkeit alles andere als dienlich ist.
Die Grundschärfe ist über den ganzen Film hinweg auf recht bescheidenem Niveau. Die Kontraste sind vor allem in dunklen Szenen nicht auf der Höhe der Zeit. Der Schwarzwert hingegen kann überzeugen.

Ich bin mir bewusst, dass hier das Bild absichtlich „verschlechtert“ wurde, um einen gewünschten Look zu erzielen. Von mir aus gesehen, passt dieser Look aber überhaupt nicht zum gezeigten Film und macht so für mich keine Sinn…

TON ✪✪✪✪✪

Das Tonformat liegt in Deutsch DTS-HD Master 5.1 vor.

Der sehr dialoglastige Film stellt keinerlei Herausforderungen an die Surroundanlage, und der Subwoofer wird kaum gefordert. Die Tonumsetzung findet demnach zu einem Grossteil auf den Frontkanälen statt. Die Dialoge sind jederzeit bestens zu verstehen. Eine Surround-Atmosphäre kommt nur selten auf, was hier jedoch zu verschmerzen ist.

FAZIT

Mit der Bildumsetzung auf dieser Blu-ray konnte ich mich leider nicht anfreunden, die Tonumsetzung hingegen ist auf gutem Niveau!

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