Ich muss gestehen, dass ich eigentlich kein grosser Krimi-Leser war. Lange habe ich sogar nur die Krimis gelesen, die ich als Buchhändler eben lesen musste.
Erst viel später habe ich dann entdeckt, dass es nicht die Krimis an sich sind, die mich langweilten, sondern deren einfallslose Ableger in der Gegenwart. Seither bin ich ein begeisterter Leser der Kriminalklassiker. Eine kleine Auswahl meiner persönlichen Highlights finden sie unter dieser Rubrik.

Fjodor Dostojewski

Verbrechen und Strafe

1867
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Fjodor Dostojewskis Roman von 1866 erschien in der deutschen Übersetzung unter verschiedenen Titeln: 1882 unter «Raskolnikow», ab 1891 unter «Schuld und Sühne» und seit 1994 in der bislang letzten grossen Neuübersetzung durch Swetlana Geier unter «Verbrechen und Strafe».

Dostojewskis Epos um den verarmter Jurastudent Raskolnikow, der das perfekte Verbrechen, einen Doppelmord, begeht und schliesslich daran zerbricht, gehört heute ohne Frage zu den grossen Werken der Weltliteratur. Dies auch völlig zu Recht, denn kaum jemand wird sich dem Sog dieser ungeheuerlichen Geschichte entziehen können.
Raskolnikow vergleicht sich mit Napoleon und fühlt sich den meisten seiner Mitmenschen überlegen. Die aus dieser Selbstüberschätzung resultierende Überheblichkeit wird von Dostojewski ebenso glaubhaft und nachvollziehbar geschildert, wie die danach folgende Ernüchterung, als Raskolnikow die Folgen seiner grausamen Tat zu realisieren beginnt.

Dostojewski ist ein Autor mit überragendem Gespür für die menschlichen Untiefen. Die emotionale und psychologische Raffinesse, mit der Dostojewski den Leser in diese menschlichen Abgründe blicken lässt, geht weit über den konventionellen Kriminalroman hinaus. Zudem tut er dies mit einer sprachlichen Feinheit, die man in dieser Art (fast) nur in der russischen Literatur finden kann...

Fjodor Dostojewskis «Verbrechen und Strafe» gehört zu meinen absoluten Lieblingswerken. Eine literarische Perle, die aus der Masse heraussticht und die Zeit unbeschadet überdauert…

St. Petersburg in den 1860er-Jahren: Der ehemalige Jura-Student Rodion Raskolnikow lebt unter ärmlichen Verhältnissen in einer winzigen Wohnung. Obwohl hochbegabt, wird er wegen seiner Armut immer mehr zum Aussenseiter. Er selber fühlt sich jedoch sowohl intellektuell als auch moralisch der Masse überlegen.
Ein zufällig mitgehörtes Gespräch in einem Wirtshaus bringt in auf die Idee eines «erlaubten Mordes», die seine Ansicht, dass ein aussergewöhnlicher Mensch zum Wohle der Allgemeinheit Vorrechte geniessen sollte, bestätigt. Bald schon wird aus der Theorie Ernst und Raskolnikow findet in der Person der geizigen Pfandleiherin Iwanowna ein Opfer für seinen Mordplan. Aus dem geplanten Mord wird ein Doppelmord, da zufällig die Schwester Iwanownas am Tatort erscheint…

Die Tat hinterlässt Raskolnikow nicht, wie er es sich vorgestellt hatte, als überlegenen Täter, sondern führt nach und nach zu seinem innerlichen Zerfall. Raskolnikow findet keine Ruhe mehr, und selbst die Tatsache, dass die ermittelnden Behörden ihm nichts nachweisen können, wird für ihn bedeutungslos.
Auf Drängen Sonja Semjonownas, in die Raskolnikow verliebt ist, stellt er sich schliesslich der Polizei, um für seine Tat die gerechte Strafe zu erhalten…

Originaltitel: Преступление и наказание (Prestuplenije i nakasanije)

Originalverlag: Russki Westnik /
Erstveröffentlichung: 1866
Sprache: Russisch
Land: Russland


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Swetlana Geier

Verlag: Ammann, Zürich
Jahr: 1. Auflage 1994
Verarbeitung: Blauer Ledereinband mit goldenem Kapitalband, goldenem Lesebändchen und Fadenheftung
Einbandgestaltung: Ammann Verlag
Seiten: 767

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 3-250-10175-3

Literarische Gattung: Roman / Kriminalroman

Literarischer Anspruch (1-10): 9

Handlungsorte: St. Petersburg, Russland

Thema: Mord / Verbrechen

Schlagwörter: Mord / Klassiker / Russland / Schuld / Gewissen / Verbrechen / Rechtfertigung / Plan

11. November 1821 in Moskau, Russland

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28. Januar 1881 in St. Petersburg, Russland

Fjodor Dostojewski war ein russischer Schriftsteller.

Geboren wurde Fjodor Dostojewski 1821 als Sohn einer verarmten Adelsfamilie in Moskau. Nach dem frühen Tod der Mutter zog die Familie nach St. Petersburg, wo Dostojewski von 1838 bis 1843 an der Militärakademie studierte. Ab 1844 war er als freier Schriftsteller tätig und erzielte bereits mit seinem Erstlingswerk «Arme Leute» 1846 einen grossen Erfolg.

Dostojewskis Schreibstil ist sehr modern und zeichnet sich durch eine psychologische Erzählweise aus. Zudem verfügen Dostojewskis umfangreiche Romane, die selten weniger als 1000 Seiten aufweisen, über eine philosophische Tiefe und komplexe Erzählstruktur.
Thematisch handeln seine Romane von Ungerechtigkeiten, moralischen Dilemmas, Armut und sozialer Not sowie menschlichen Verfehlungen und deren Folgen…
Dostojewskis Werke sind eindeutig dem Realismus zuzuordnen.

Mit seinen monumentalen Werken «Verbrechen und Strafe» (1866), «Die Dämonen» (1872) und «Die Brüder Karamasow» (1880) gehört Dostojewski heute zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Schriftstellern Russlands. Er hat Werke geschaffen, die zu Weltliteratur und somit zu zeitlosen Klassikern wurden…

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Fjodor Michailowitsch Dostojewski 1879 - Public Domain (Fotograf: Constantin Shapiro)

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Wilkie Collins

Der Monddiamant

1868
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Wilkie Collins war ein Zeitgenosse und enger Freund von Charles Dickens. Während Dickens heute zu den grossen Klassiker der viktorianischen Literatur gehört und allgemein bekannt ist, kennt man Wilkie Collins kaum noch – sehr zu Unrecht, wie ich hier anfügen möchte! Hat er doch gewissermassen den Detektiv-Roman erfunden und ist somit als direkter Vorläufer von Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes) und Gilbert K. Chesterton (Pater Brown) zu sehen.
Sämtliche Anlagen dieses Genres sind im spannenden Kriminalroman „Der Monddiamant“ bereits enthalten.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln, und mit der jeweiligen Eigenheit des entsprechenden Person versehen, erzählt. Das trägt sehr zur Lebendigkeit der Handlung bei. Jede Person verfasst einen Bericht mit ihrer ganz eigenen Wahrnehmung der Geschehnisse, und nur der Leser als Empfänger aller Berichte, gelangt so nach und nach ins Bild der Ereignisse in jener Nacht, als der Stein verschwand…
Das ist erzähltechnisch hervorragend umgesetzt, spannend und mitreissend zugleich.
Mit der zentralen Figur der Rachel Verinder hat Wilkie Collins zudem eine, für das viktorianische Zeitalter, starke und selbstbestimmende Frauenfigur geschaffen, mit der er seiner Zeit ebenfalls einiges voraus war.
Sprachlich bewegt sich Collins auf sehr hohem Niveau. Man könnte hier durchaus von Sprachkunst sprechen. Ähnlichkeiten mit seinem berühmten Freund Dickens sind augenfällig, vor allem was den ironischen Unterton anbelangt.

Kurz: Wenn Sie Kriminalliteratur lesen, müssen Sie auch Wilkie Collins lesen, da bin ich jetzt mal kompromisslos…

Der britische Offizier John Herncastle erbeutet, während der Erstürmung der indischen Stadt Srinrangapattam im Jahre 1799, einen wertvollen Diamanten. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um einen Stein aus einer indischen Mondgott-Statue, der im 12. Jahrhundert gestohlen worden war. Seither versuchten Generationen von brahmanischen Priestern, den wertvollen Stein wieder zurückzuholen…
John Herncastle kehrt mit seiner wertvollen Beute nach England zurück, verbringt aber die Zeit bis zu seinem natürlichen Tode in Angst, von den indischen Priestern gefunden und ermordet zu werden.
Aus Rache an seiner Familie, die ihn wegen seines unmoralischen Lebenswandels geschnitten hatte, vermacht er den fluchbeladenen Stein Rachel Verinder, der Tochter seiner Schwester.
Doch noch in der Nacht der Übergabe verschwindet der Stein spurlos. Alle Versuche, dem mysteriösen Verschwinden auf die Spur zu kommen, bleiben erfolglos. Dass sich Rachel Verinder zudem äusserst merkwürdig verhält, macht den Fall noch rätselhafter. Da die örtliche Polizei nicht weiter kommt, bittet man Inspektor Cuff von Scotland Yard um Hilfe, doch der würde sich eigentlich lieber um seine Rosen kümmern…

Originaltitel: The Moonstone

Originalverlag: Tinsley Brothers, London, England
Erstveröffentlichung: 1868
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gisela Geisler

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main
Jahr: 2012
Verarbeitung: Bedruckter Leineneinband mit Leimbindung.
Einbandgestaltung: Katja Holst
Seiten: 608

Verarbeitungsqualität (1-10): 5

ISBN: 978-3-7632-6583-1

Literarische Gattung: Roman / Briefroman / Kriminalroman / Detektiv-Roman

Literarischer Anspruch: 7

Handlungsorte:

Shrirangapattana, Karnataka, Indien
Yorkshire, England
London, England

Thema: Diebstahl

Schlagwörter: Erbschaft / Geheimnis / Fluch / Detektiv / Erinnerung / Vergangenheit / Liebe

08. Januar 1824 in London, England

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23. September 1889 in London, England

Wilkie Collins war ein englischer Schriftsteller und gilt als einer der Erfinder des englischen Kriminalromans.
Collins arbeitete lange Jahre mit Charles Dickens zusammen für dessen Zeitschrift „Household words“.
1856 veröffentlichte Wiklie Collins mit „The Dead Secret“ seinen ersten Roman und wurde innert kürzester Zeit zu einem der meistgelesenen Autoren Englands. Seine Detektivgeschichten gelten bis heute als wegweisend für das ganze Genre.

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Arthur Conan Doyle

Eine Studie in Scharlachrot

1887
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Hatten wir weiter oben mit Wilki Collins den Begründer des Detektivromans kennen gelernt, so haben wir hier mit Sir Arthur Conan Doyle den ersten Erneuerer dieses Genres.
War es bei Collins und anderen Zeitgenossen noch häufig eine Art Stochern im Heuhaufen, übernahm in Conan Doyles Werk zum ersten Mal die Wissenschaft das Ruder. Messerscharfe Deduktion und minuziöse Beobachtung des Tatortes zeichnen diesen modernen Detektiv aus. Entstanden ist eine Figur, der wir auch heute noch in unzähligen Romanen oder TV-Serien begegnen.
In der Tat ist „Eine Studie in Scharlachrot“ der erste von vier Sherlock-Holmes-Romanen, in dem schon alles angelegt ist, das wir in späteren Werken wieder finden können.

Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Während der erste Teil den Mord und die Ermittlungen dazu schildert, wird im zweiten Teil die Vorgeschichte, wie es zu dieser Tat hatte kommen können, aufgerollt.
Das Ganze ist nicht nur erzähltechnisch sehr spannend gemacht, sondern erlangt durch die (fiktive) Berichterstattung Dr. Watsons eine zusätzliche Glaubhaftigkeit.

Sir Arthur Conan Doyle konnte damals sicher nicht ahnen, was für einen gewaltigen Stein er mit diesem Roman ins Rollen gebracht hatte. Für unzählige Romane, Hörspiele oder Verfilmungen wurde auf dieses Werk zurückgegriffen, und es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass „Eine Studie in Scharlachrot“ das Genre des Detektivromans revolutionierte…

Dr. Watson, ein Armeearzt, kehrt 1881 aus dem Afghanischen Krieg zurück. Geplagt von einer Kriegsverletzung und finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, sucht er eine günstige Unterkunft in London. Zufällig erfährt er von einem alten Studienkameraden, dass ein gewisser Sherlock Holmes auf der Suche nach einem Zimmergenossen sei.
Kurzentschlossen ziehen die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere zusammen in die Baker Street 221B.
Bald schon wird Watson klar, dass Holmes in gewissen Gebieten ein ausserordentliches Wissen besitzt. Er betreibt chemische Experimente und scheint sich in kriminalistischen Dingen ausgesprochen gut auszukennen.
Watson erfährt, dass Sherlock Holmes gelegentlich vom Scotland Yard als „Beratungsdetektiv“ engagiert wird.
Eines Tages wird in der Prixton Road die Leiche eines Amerikaners namens Enoch J. Drebber gefunden. Der Täter hatte nach der Ermordung Drebbers mit Blut das deutsche Wort „Rache“ an die Wand geschmiert. Die Polizei steht vor einem Rätsel.
Als Holmes und Watson am Tatort erscheinen, ist für Holmes schnell klar, was hier geschehen sein musste. Nur alle anderen haben Mühe, seinen deduktiven Gedanken zu folgen…

Originaltitel: A Study in Scarlet

Originalverlag: Wird Lock & Co, London
Erstveröffentlichung: 1887 (Zeitschrift) 1888 (als Buch)
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gisbert Haefs

Verlag: Haffmans Verlag, Zürich
Jahr: 1984
Verarbeitung: Bedruckter Pappeinband mit Leimbindung.
Einbandgestaltung: Tatjana Hauptmann
Seiten: 156

Verarbeitungsqualität (1-10): 4

ISBN: 3-251-20100-X

Literarische Gattung: Roman / Detektivroman / Kriminalroman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte:

London, England
Salt Lake City, Utah, USA

Thema: Rache

Schlagwörter: Sherlock Holmes / Dr. Watson / Ermittlung / Deduktion / Mord / Gift / Mormonen / Vergeltung

22. Mai 1859 in Edinburgh, Schottland

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07. Juli 1930 in Crowborough, Sussex, England

Arthur Ignatius Conan Doyle war ein schottischer Arzt und Schriftsteller.
Bekanntheit erlangte Conan Doyle vor allem durch seine Sherlock-Holmes-Romane und Erzählungen, darüber hinaus schrieb er unzählige historische Romane, Fantasieromane und Sachbücher zu verschiedenen Themen.
Ohne Frage hat Conan Doyle mit seiner Figur des Sherlock Holmes und dessen helfenden Hand Dr. Watson das Kriminalroman-Genre revolutioniert und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Er hat damit eine kriminalistische Vorgehensweise vorweggenommen, die heute zum Alltag gehört, sei es in Romanen, TV-Serien, Spielfilmen – oder der effektiven Polizeiarbeit.

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Theodore Dreiser

Eine amerikanische Tragödie

1925
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Die Story klingt verrückt, wie kommt ein junger, unbescholtener Mann dazu, sich mit dem Gedanken und schließlich sogar der Ausführung eines Mordes an seiner Freundin zu beschäftigen, nur weil sie seinem gesellschaftlichen Aufstieg und seinen Karriereplänen im Weg steht.
Was anfängt wie eine ganz normale Sozialstudie, wächst sich zu einem handfesten Krimi, am Ende sogar Thriller aus. Dreisers Kritik an Karrieren-Gesellschaft und Materialismus ist durchaus auch heute noch als modern zu bezeichnen.
Die psychologische Genauigkeit, mit der er die Handlung vorantreibt, mag bei einem heutigen Leser zuweilen die Geduld strapazieren, ist aber in ihrer Kohärenz einzigartig und beeindruckend. Es gibt wenig Romane, die es an Spannung und psychologischer Raffinesse mit diesem Werk aufnehmen können.

Clyde Griffiths wächst in einer sehr religiösen, armen Familie auf. Kaum erwachsen versucht er sich gesellschaftlich zu verbessern, sich hochzuarbeiten.
Er gelangt so zu seinem Onkel Samuel Griffiths, einem sehr wohlhabenden Fabrikanten, der ihm in seiner Kragenfabrik eine Anstellung gibt. Clydes Versuche, sich in die ihm fremde "bessere Gesellschaft" einzuleben, gelingen nur zaghaft.
Er verliebt sich in die arme Arbeiterin Sondra, die er aber vor seiner Verwandtschaft versteckt aus Angst, sich seine Zukunft zu verbauen. Nachdem Sondra aber schwanger wird und eine Abtreibung fehlschlägt, sieht er seine Pläne gefährdet und er beginnt sich zuerst unbewusst, danach gezielt, mit dem Plan eines Mordes auseinander zu setzen...

Originaltitel: An American Tragedy

Originalverlag: Boni & Liveright, New York City
Erstveröffentlichung: 17. Dezember 1925
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe:

Übersetzung ins Deutsche durch: Marianne Schön

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Zürich
Jahr: 1950
Verarbeitung: Blauer Leineneinband mit Fadenheftung
Seiten: 755

Verarbeitungsqualität (1-10): 7

Literarische Gattung: Belletristik / Kriminalroman / Thriller

Literarische Anspruch (1-10): 7

Handlungsorte:

  • Kansas City, Missouri, USA
  • Chicago, Illinois, USA
  • Upstate New York, New York, USA

Thema: Mord

Schlagwörter: Unterschicht, Freundin, Karriere, Aufstieg, Gericht, Justiz

27. August 1871 in Terre Haute, USA

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28. Dezember 1945 in Los Angeles, USA

Theodore Dreiser gilt als einer der wichtigsten amerikanischen Vertreter des literarischen Naturalismus. Seine Geisteshaltung war noch stark vom viktorianischen Weltbild beeinflusst.
Dreiser beschäftigte sich in seinen Werken vornehmlich mit den sozialen Problemen, die infolge der schnellen amerikanischen Industrialisierung auftraten.

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Rahel Sanzara

Das verlorene Kind

1926
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Rahel Sanzara stiess in einer Sammlung spektakulärer Kriminalfälle auf die Grundgeschichte, die sie auf die Grundidee zu ihrem Roman brachte, welchen sie schliesslich 1926 unter dem Titel «Das verlorene Kind» veröffentlichte.
Die Geschichte handelt im 19. Jahrhundert und beschreibt den Missbrauch und die grausame Ermordung eines kleinen Mädchens – und die Auswirkungen auf alle Protagonisten…

Nach einem Jahr des verzweifelten Suchens, wird schliesslich die Leiche des Mädchens gefunden und gleichzeitig auch der bis dahin unbescholtene Knecht seiner gerechten Strafe zugeführt.
Trotz der schockierenden Thematik, legt Sanzara den Fokus nicht auf die eigentliche Tat, sondern beschreibt in eindrücklichen Bildern und mit psychologischer Raffinesse, wie dieses Verbrechen die beschauliche Ordnung zerstört. Gleichzeitig wird diese «beschauliche Ordnung» hinterfragt und die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine bedrückende, provinzielle Welt.

Trotz aller Tragik endet die Geschichte mit einer sehr humanen Geste christlicher Nächstenliebe – was für den Leser ebenso unerwartet kommt, wie vieles andere in diesem wunderbaren Roman.
Rahel Sanzara beschreibt dies alles in einer, der historischen Grundgeschichte geschuldeten, schönen Sprache, die in ihrer mäandrischen Form an klassische Werke aus dem 19. Jahrhundert erinnert. Mit dieser Sprache entschleunigt Sanzara die Handlung gekonnt.

Rahel Sanzaras «Das verlorene Kind» ist einer der aussergewöhnlichsten Kriminalromane, die ich je gelesen habe und geht mit seiner sprachlichen Brillanz und psychologischen Tiefe auch weit über dieses Genre hinaus. Zudem hat der Roman thematisch nichts an Relevanz verloren und erscheint so modern wie damals.

Trotz grossem Erfolg nach der Veröffentlichung 1926, ist dieses eindrückliche Werk heute kaum noch bekannt, dabei gehört es meiner Meinung nach zu den besten deutschen Werken des 20. Jahrhunderts!

Der Bauer Christian B. lebt zusammen mit seiner Frau, zwei Söhnen und einer kleinen Tochter auf einem Gutshof irgendwo im brandenburgischen Land, Ende des 19. Jahrhunderts.

Auf dem Gut leben ebenfalls zahlreiche Mägde und Knechte. Eine dieser Mägde ist Emma, welche schon viele Jahre auf dem Hof lebt und sich auch liebevoll um die Kinder des Gutsherrn kümmert. Ihr eigener Sohn Fritz lebt und arbeitet ebenfalls auf dem Gut. Allerdings ahnt niemand, was in dem jungen Mann vorgeht, bis eines Tages die kleine Anne, die Tochter des Gutsbesitzers, spurlos verschwindet…

Originaltitel: Das verlorene Kind

Originalverlag: Ullstein A.-G., Berlin
Erstveröffentlichung: 1926
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland


Meine Ausgabe

Verlag: Suhrkamp, Frankfurt am Main
Jahr: 5. Auflage 1991
Verarbeitung: Taschenbuch
Suhrkamp-Tb-Nr.: 910
Nachwort: Peter Engel
Einbandgestaltung: Willy Fleckhaus / Rolf Staudt
Seiten: 295

Verarbeitungsqualität (1-10): 2

ISBN: 3-518-37410-9

Literarische Gattung: Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 7

Handlungsorte: Nord-Ost-Deutschland

Thema: Mord

Schlagwörter: Verbrechen / Kind / Suche / Verlust / Tod / Vergeben / Gemeinschaft / Gesellschaft / Mitmenschen

09. Februar 1894 in Jena, Deutsches Kaiserreich

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08. Februar 1936 in Berlin, Deutsches Reich

Johanna Bleschke war eine deutsche Tänzerin, Schauspielerin und Schriftstellerin, welche ihre literarischen Werke unter dem Pseudonym Rahel Sanzara veröffentlichte.

Rahel Sanzara war eine sehr vielseitige und ambitionierte Künstlerin. Früh schon war für sie klar, dass sie sich nicht für einen bürgerlichen Beruf eignete. Sie zog nach Berlin und arbeitete dort in einem Verlag. Während des 1. Weltkrieges absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete in verschiedenen Lazaretten.
Bereits 1916 hatte Sanzara ihr Debüt als Tänzerin – ein Jahr später spielte sie in ihrem ersten Kinofilm mit. Zwischen 1921 bis 1924 folgten Theaterrollen in Prag, Darmstadt und Zürich.

1926 veröffentlichte Sanzara ihren ersten Roman «Das verlorene Kind», welcher ein grosser Erfolg wurde und in kurzer Zeit in elf Sprachen erschien. Aufgrund des fremdländischen Pseudonyms und der Tatsache, dass Sanzara 1927 den jüdischen Börsenmakler Walter Davidsohn heiratete, wurde ihr Roman verboten – und ihre weiteren Werke wurden erst gar nicht mehr veröffentlicht…

Rahel Sanzara starb 1936, vermutlich an den Folgen eines ärztlichen Fehlers, nach längerer Krankheit in Berlin…

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Rahel Sanzara 1926 (Public Domain)

Raymond Chandler

Der grosse Schlaf

1939
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Wenn wir es oben mit dem „Erfinder“ des Detektiv-Romans zu tun hatten, werden wir hier gewissermassen Zeugen der revolutionären Neuschaffung dieses Genres. Raymond Chandler führt hier erstmalig seine Figur des Philip Marlowe ein. Marlowe ist das krasse Gegenteil von allem, was man bis dato als Detektiv kennengelernt hatte. Seine lässige, sarkastische Art und der Typus des sentimentalen Einzelgängers wurde von unzähligen nachfolgenden Schriftstellern als Vorbild genommen.
Die Figur fand auch Eingang in die Filmindustrie, direkt in Form von Verfilmungen der Romane Chandlers, aber auch indirekt durch unzählige Nachahmungen. TV-Serien wie „Detektiv Rockford“, „Kojak“, „Colombo“ oder auch „Magnum“ sind ohne diese Vorlage von Chandler undenkbar.
Zu „Der grosse Schlaf“ kann ich nur bemerken, dass er Kult ist. Die atmosphärische Erzählweise, die komplexe Handlungsführung und die unnachahmliche Sprache machen ihn zu etwas ganz Besonderem.

Privatdetektiv Philip Marlowe erhält vom alten, an den Rollstuhl gefesselten General Sternwood den Auftrag, einen Erpressungsversuch aufzuklären. Offenbar versucht ein gewisser Arthur Geiger Carmen, die jüngere der beiden Sternwood-Töchter, zu erpressen. Nebenbei erwähnt der kränkliche aber schwerreiche General Sternwood auch, dass seine ältere Tochter Vivian mit Rusty Regan, einem Alkoholschmuggler, verheiratet, dieser aber spurlos verschwunden sei.
Marlowe macht sich auf die Suche nach Arthur Geiger und gerät dabei in ein Netz von Intrigen. Marlowe findet schliesslich Geiger, erschossen in seinem Haus, bei ihm die sturzbetrunkene Carmen. Vom Täter fehlt jede Spur.
Schnell wird Marlowe klar, dass Geiger nur ein kleiner Fisch war und im Hintergrund ganz andere Kaliber am Werk sind. Was aber die Sternwood-Töchter damit zu schaffen haben, bemerkt er erst, als es beinahe schon zu spät ist…

Originaltitel: The Big Sleep

Originalverlag: Alfred A. Knopf, New York, USA
Erstveröffentlichung: 1939
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gunnar Ortlepp (1974)

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main
Jahr: 2013
Verarbeitung: Bedruckter und geprägter Leineneinband mit Fadenhaftung und farbigem Vorsatzblatt.
Illustrationen von: Thomas Müller
Seiten: 307

Verarbeitungsqualität (1-10): 9

ISBN: 978-3-7632-6344-8

Literarische Gattung: Roman / Detectiv-Roman / Kriminalroman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsort: Los Angeles und Umgebung, Kalifornien, USA

Thema: Erpressung

Schlagwörter: Philip Marlowe / Krimi / Los Angeles / Mord / Regen / Reichtum / Töchter

23. Juli 1888 in Chicago, Illinois, USA

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26. März 1959 in La Jolla, Kalifornien, USA

Raymond Chandler war Sohn irischer Emigranten und wurde zu einem der bekanntesten amerikanischen Kriminalautoren.
Nachdem seine anfängliche Karriere in der Ölindustrie scheiterte, verlegte Chandler sich auf die Schriftstellerei und schuf mit der Figur des Philip Marlowe, die er 1939 im Roman „The Big Sleep“ erstmals einführte, eine der markantesten und stilprägendsten Detektiv-Figuren der Pop-Kultur.

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© Associated Press

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